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Nun fahre wohl, du altes Jahr,
In Frieden geh zur ew'gen Ruh',
Ich stehe stumm an deiner Bahr'
Und drücke dir die Augen zu.
Stumm und allein, und diese Nacht,
Die sonst dem Taumel war geweiht,
Durchzecht mit Freunden und durchlacht,
Gehört diesmal der Einsamkeit.

Und doch durchspukt es meinen Sinn,
Wie ein Gespenst von Fröhlichkeit, -
Doch ach, wo sind die Freunde hin.
Und, ach, wohin die früh're Zeit?!
Steigst du empor, versunk'ne Pracht?
Wie Frühlingswipfel rauscht es traut,
Und schluchzt aus Rosenpurpurnacht,
Wie eine kranke Sprosser-Braut.

O Wald, von Lenz- und Morgenhauch
So voll durchweht, ich kenne dich,
Und jenes Lied, ich kenn' es auch,
O nur zu gut, es schluchzt um mich.
Versunk'ne Pracht der Jugendzeit,
Dein Engel klagt umsonst um mich,
Und weint' er in noch heiß'rem Leid, -
Doch heißer noch bewein' ich dich!

Denn als, ein stürmender Genoß,
Ich deine Schwelle übersprang,
Da fiel in ein demant'nes Schloß
Dein goldnes Tor mit höhn'schem Klang;
Und mitleidlos wahrt seit der Frist
Ein Flammen-Cherub dieses Tor:
Dahinter Alles - Lächeln ist,
Und Alles - Träne davor!
Text: Udo Brachvogel - Lizenz: Public Domain