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Du liebtest mich! Ich hab' es wohl gewußt,
In Blick, in Wort, in Tat konnt' ich es lesen, -
Und doch, wie selig-stolz ich d'rob gewesen,
Stumm barg den Stolz ich in der tiefsten Brust.

Es zog ein Sturm ob meinem Haupte hin,
Dein war die Hand, die seinen Grimm beschworen,
Und doch hab' ich in ihm auch dich verloren:
Auch dich, - wie jetzt ich kalt für alles bin.

Ja, kalt! So geht's mit jedes Wetters Braus,
Den reichsten Stamm bricht er zu ärmsten Splittern.
Kalt, eisig kalt - nicht weiß ich mehr, was Zittern,
Doch auch mit dem, was Lieben, ist es aus.

Ein Grabstein ward mein lebenzuckend Herz,
Drauf, wer es kann, soll deine Rune lesen,
Und daß ihr Klang mir mehr Musik gewesen,
Als Memnons Ruf und als Dodonas Erz.

Nicht zürne drum, und habe je verkannt
Ich dein Verschwenderherz, du darfst vergeben,
Erwägst du, daß dir einer war ergeben,
Der, vor dir, nichts von Hörigkeit gekannt.

Und mehr noch, meine Jugend ist dahin,
Und wie dort ihre letzten Blätter stieben,
Wehn sie mir zu: nie werd' ich wieder lieben,
Seit ich sogar für dich erkaltet bin!
Text: Udo Brachvogel - Lizenz: Public Domain