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Die Schmiede

Wie kann der alte Äpfelbaum
So lockre Früchte tragen,
Wo Mistelbüsch' und Mooses Flaum
Aus jeder Ritze ragen?

Halb tot, halb lebend, wie ein Prinz
In einem Ammenmärchen,
Die eine Seite voll Gespinns,
Wurmfraß und Flockenhärchen,

Langt mit der andern, üppig rot,
Er in die Funkenreigen,
Die knatternd aus der Schmiede Schlot
Wie Sternraketen steigen;

Ein zweiter Scävola hält Jahr
Auf Jahr er seine Rechte
Der Glut entgegen, die kein Haar
Zu sengen sich erfrechte.

Und drunten geht es Pink und Pank,
Man hört die Flamme pfeifen,
Es keucht der Balg aus hohler Flank'
Und bildet Aschenstreifen;

Die Kohle knallt, und drüber dicht,
Mit Augen wie Pyropen,
Beugt sich das grimmige Gesicht
Des rußigen Cyklopen.

Er hält das Eisen in die Glut
Wie eine arme Seele,
Es knackt und spritzet Funkenblut
Und dunstet blaue Schwele.

Dann auf dem Amboß, Schlag an Schlag,
Läßt es sein Weh erklingen,
Bis nun gekrümmt in Zorn und Schmach
Es kreucht zu Hufes Ringen.

Am Pförtchen scharrt der Rappe, schnaubt,
Dem Schlackenstaub entgegen
Wo hinterm Wagen dichtbelaubt
Sich Liederklänge regen.

's ist eine Stimme fest und klar
Wie Morgenfrische heiter,
Nun durch die Spalten fliegen gar
Maßlieben, Dold und Kräuter.

Da wilder scharrt der Rappe, schwallt
Am Dach der Funkenreigen,
Und eine dunkle Nachtgestalt
Scheint aus dem Schlot zu steigen.

Und lockend sucht der Äpfel Schein
Den Wagen zu berühren,
Will Pluto hier am Blütenrain
Der Ceres Kind entführen?
Text: Annette von Droste-Hülshoff - Lizenz: Public Domain